Die Digitalisierung der Öffentlichen Verwaltung ist in Estland und Österreich weit fortgeschritten. In Deutschland greifen die Bürger hingegen weniger häufig auf die Online-Dienste der Behörden zu. Auf europäischer Ebene bieten insbesondere die Öffentlichen Verwaltungen in Frankreich, Norwegen und Großbritannien den Bürgen ähnliche Navigationsmöglichkeiten wie klassische Online-Shops an. Dort finden die Nutzer ein Portal vor, das sich an den Lebenslagen des Bürgers orientiert und für jede Situation – ob Geburt, Umzug oder Berufumstieg – die dazugehörigen Services offeriert. In Deutschland soll ein Portalverbund die Digitalisierung in der Öffentlichen Verwaltung vorantreiben.

 

Portalverbund verknüpft Verwaltungsportale

Deutschland setzt auf einen digitalen Föderalismus, um die Träger der Öffentlichen Verwaltung – nämlich Bund, Länder und Kommunen – miteinander zu vernetzen. Ähnlich wie in Österreich sollen die jeweils eigenständigen Verwaltungsportale von Bund und Ländern in einem Verbund integriert werden. Als rechtliche Grundlage dient das Online-Zugangsgesetz (OZG). Die Akteure der Öffentlichen Verwaltung werden bis zum Jahresende 2022 alle Verwaltungsservices für Bürger und Unternehmen digitalisieren. Sie müssen die Voraussetzungen dafür schaffen, die Verwaltungsportale zum Portalverbund zusammenzuführen und die digitalen Online-Services auszubauen.

 

Digitale Innovationen und Automatisierung

Der deutsche Portalverbund folgt einer flexiblen IT-Architektur. Demnach werden alle Mitglieder des Verbundes eigene Serviceleistungen offerieren, die auch die anderen Teilnehmer nutzen können. Dies soll das Entstehen digitaler Innovationen fördern. In Zukunft können die Bürger neue Services auf dem Portal des Bundes oder eines Landes von allen anderen Verwaltungsportalen aus nutzen. Dies setzt voraus, dass jedes neue Angebot an die anderen Akteure weitergeleitet wird. Diese Aufgabe übernimmt die Technik, die alle Neuerungen automatisiert weitergibt.

 

Digitale Services basierend auf den Lebenslagen des Bürgers

Künftig soll das Portal jene digitalen Services anzeigen, die zu den Lebenslagen des Bürgers passen. Wenn beispielsweise ein Kind geboren wird, kann der Betreffende mithilfe der digitalen Angebote Elterngeld beantragen und einen Betreuungsplatz reservieren. Über den Bearbeitungsstatus verfolgt der Bürger den Fortschritt seines Anliegens. Der IT-Planungsrat möchte eine 1-Klick-App bereitstellen, mit der die Bürger Formalitäten der Öffentlichen Verwaltung wie Geburtsurkunde, Elterngeld und Kindergeld anfordern können.

 

Once-Only-Dienste als Zukunftsvision

Das Ziel besteht darin, dass die Bürger ihre Daten nur einmal bekanntgeben müssen, auf die dann jederzeit zugegriffen werden kann. Diese Once-Only-Dienste sind den deutschen Datenschutzvorschriften anzupassen. Demnach müssen die Bürger der Datenübermittlung zustimmen und die Datenverwendung nachvollziehen können. Außerdem sind sichere Lösungen für einen automatisierten Datenaustausch gefragt. Künftig sollen die Behörden Unterlagen wie Geburtsurkunde, Führerschein und Handelregistereintrag digital abrufen können.

 

IT-Planungsrat koordiniert Kooperationen

Die den Lebenslagen des Bürgers angepassten digitalen Services und die Once-Only-Dienste erfordern eine enge Kooperation zwischen den unterschiedlichen Akteuren. Im Falle eines Bürgers, der gerade sein Studium absolviert, sind die digitalen Serviceangebote der Universität, des Amtes für Ausbildungsförderung und des Studentenwerks zusammenzuführen. Der IT-Planungsrat koordiniert hierbei die informationstechnischen Kooperationen zwischen Bund und Ländern.

 

Fazit: Digitalisierung bringt Vorteile für alle Beteiligten

Von den an Lebenslagen orientierten Services und den Once-Only-Diensten werden insbesondere Bürger und Unternehmen profitieren. Diese Digitalisierungsmaßnahmen erleichtern außerdem den Alltag der Sachbearbeiter, weil Warteschlangen entfallen und viele Arbeitsprozesse automatisiert werden. Es liegt an der Öffentlichen Verwaltung, das digitale Serviceangebot auf dem Portal bürgerfreundlich zu gestalten und die virtuellen Behördengänge in Deutschland zu vereinfachen.