Die ersten beiden Teile dieser Reihe haben sich mit den grundlegenden Anforderungen an eine digitale Identität und mit den technischen Möglichkeiten für eine sichere Authentifizierung befasst. Der dritte Abschnitt beschäftigt sich nun mit der Frage der praktischen Umsetzung. Zunächst werden dabei die Vorbedingungen behandelt, die notwendig sind, damit dieser Dienst zu einem wirtschaftlichen Erfolg wird. Danach stellt der Artikel mehrere mögliche Anbieter für diesen Service vor.

 

Voraussetzungen für die Etablierung eines Dienstes für die rechtssichere Identität

Um eine rechtssichere digitale Identität anbieten zu können, ist eine analoge Vorab-Überprüfung erforderlich. Diese darf keine hohen Kosten verursachen, da das System sonst nicht wirtschaftlich arbeiten kann. Daher müssen die Dienstleister entweder ein kostengünstiges Verfahren verwenden oder über die Daten aufgrund ihrer eigentlichen Geschäftstätigkeit bereits verfügen. Zu den grundlegenden Anforderungen zählt, dass das Verfahren anwenderfreundlich, leicht einzubinden und skalierbar ist.

 

Welche Anbieter kommen für diesen Dienst infrage?

Bereits die Auflistung der Voraussetzungen zeigt, dass für diesen Dienst nicht allzu viele Dienstleister infrage kommen. Wichtig ist, dass die entsprechenden Unternehmen das notwendige technische Know-how besitzen. Außerdem ist es sehr vorteilhaft, wenn sie bereits für andere Tätigkeiten über die Daten der Kunden verfügen. Auf diese Weise fallen für die Identifizierung kaum zusätzliche Kosten an. Die folgenden Abschnitte stellen sechs unterschiedliche Unternehmenstypen beziehungsweise Institutionen vor, die diese Anforderungen weitestgehend erfüllen.

 

Elektronischer Personalausweis (ePA)

Da mittlerweile ausschließlich elektronische Ausweise ausgegeben werden, hat dieses Instrument eine theoretische Reichweite von 100 Prozent. In der Praxis sieht das jedoch ganz anders aus. Viele Anwender haben ihren elektronischen Personalausweis nicht freigeschaltet oder kennen ihre PIN nicht. Außerdem ist die technische Einbindung sehr schwierig. Der Identifizierung mit ePA und Smartphone stellt sich in erster Linie Apple entgegen. Die Signatur von E-Mails ist bislang nicht vorgesehen und für die Signatur von PDFs sind kostspielige Zusatzgeräte und Programme notwendig.

 

GAFA: die großen Internet-Konzerne

Unter dem Begriff GAFA sind die wichtigsten Internet-Konzerne zusammengefasst: Google, Apple, Facebook und Amazon. Technisch wäre sicherlich jedes einzelne dieser Unternehmen dazu in der Lage, ein geeignetes System bereitzustellen. Doch wäre zumindest bei Apple die Reichweite zu gering. Aufgrund der Konkurrenzsituation hätten außerdem die meisten Online-Händler sicherlich wenig Interesse daran, ein Identifizierungssystem von Amazon in ihren Internetauftritt zu integrieren. Bleiben also Google und Facebook. Bei diesen Unternehmen besteht jedoch das Problem, dass sie für einen derartigen Dienst ihre Prozesse deutlich transparenter gestalten müssten. Daran scheinen diese jedoch kein Interesse zu haben.

 

Banken: ein optimaler Anbieter für die rechtssichere Identität?

Bereits seit Jahrzehnten gelten die Banken als optimaler Anbieter für eine rechtssichere digitale Identität. Das liegt daran, dass sie ohnehin dazu verpflichtet sind, die Daten ihrer Kunden zu ermitteln. Darüber hinaus verfügen sie in der Summe über eine hervorragende Reichweite, da fast jeder Bundesbürger über ein eigenes Konto verfügt. Allerdings haben die Banken diese Chance bereits seit vielen Jahren ungenutzt gelassen. Es scheint, dass diese Unternehmen bereits große Probleme damit haben, ihr klassisches Geschäftsmodell in die digitale Ära zu übertragen. Daher wollen sie keine neuen Projekte in diesem Bereich angehen.

 

Mobilfunkanbieter

Seit 2017 sind die Mobilfunkanbieter dazu verpflichtet, alle ihre Kunden zu identifizieren. Das ermöglicht neue Chancen für die digitale Identität. Auch in diesem Fall wäre die analoge Vorabidentifizierung bereits vorhanden und die Reichweite ausgesprochen hoch. Allerdings kam es in diesem Bereich bereits beim Mobile Payment zu größeren Problemen. Dennoch zählen die Mobilfunkanbieter zu den aussichtsreichsten Kandidaten für die Umsetzung der digitalen Identität.

 

Video-Ident-Anbieter

Video-Ident-Anbieter haben in den letzten Jahren viele Millionen Kunden identifiziert. Daher verfügen sie bereits über ein preiswertes Verfahren, um die analoge Vorab-Identifizierung durchzuführen. Allerdings ist diese Identifizierung nur ein einziges Mal gültig. Es fehlt noch ein System für die Authentifizierung, das diese Identifizierung wiederverwertbar macht.

 

Identitätsvermittler: ein neuartiges Geschäftsmodell für die digitale Identität

Seit einiger Zeit gibt es auch sogenannte Identitätsvermittler. Diese übernehmen die Identifizierung nicht selbst und stellen auch kein System für die Authentifizierung bereit. Ihre Aufgabe besteht darin, viele kleinere Identitätsanbieter zusammenzufassen und ihre Dienste den Service-Providern zugänglich zu machen. Wenn eine Identifizierung notwendig ist, leiten sie die Anfrage an ein entsprechendes Unternehmen weiter, das sich um diese Aufgabe kümmert.

 

Fazit: Viele Möglichkeiten für eine rechtssichere digitale Identität

Um eine rechtssichere digitale Identität herzustellen, kommen mehrere Anbieter infrage – von staatlichen Akteuren bis hin zu großen Wirtschaftsunternehmen. Welcher dieser Dienstleister sich letztendlich durchsetzen wird, zeichnet sich noch nicht ab, da es bei allen Alternativen noch größere Probleme zu lösen gibt. Möglich ist nicht nur, dass sich eine dieser Unternehmensgruppen durchsetzt. Eine Zusammenarbeit mehrerer Anbieter scheint ebenfalls erfolgversprechend und könnte der digitalen Identität neue Impulse verleihen.