Wenn Sie sich mit der Digitalisierung von Versicherungsservices beschäftigen, dann kennen Sie bestimmt diesen Begriff: Microservice. Viele bekannte Internetfirmen – beispielsweise Amazon, Twitter, Netflix oder Uber – haben ihre Plattformen mit diesem Modell aufgebaut.

Der Erfolg dieser Unternehmen führt dazu, dass diese Technik viel Aufmerksamkeit erhält. Sie bietet auch im Versicherungssektor zahlreiche neue Möglichkeiten und kann Innovationen auslösen, die sich auf alle Unternehmensbereiche erstrecken. Daher haben wir einen vierteiligen Artikel für Sie zusammengestellt, der sich intensiv mit diesem Thema befasst. Im ersten Teil erfahren Sie alles über die grundsätzlichen Eigenschaften der Microservices.

 

Was ist überhaupt ein Microservice?

Ein Microservice ist ein „kleiner“ Webservice, die Ihnen eine ganz spezifische Geschäftsfunktion ermöglicht. Dabei handelt es sich beispielsweise um einen Bestellprozess, um einen Bezahlvorgang oder um die Erstellung einer Versicherungs-Police. Für jede dieser Aufgaben nutzen Sie einen eigenen Microservice, der selbstständig funktionsfähig ist. Trotz der Eigenständigkeit kann die Anwendung  mit anderen Microservices kommunizieren. Dafür gibt es spezielle Schnittstellen, auf die die einzelnen Dienste zugreifen. Auf diese Weise ist ein Austausch der Daten untereinander möglich. Die Microservice-Architektur stellt den Gegenpol zu monolithischen Programmen dar. Hierbei sind alle Funktionen eng miteinander verflochten, so dass Sie diese nicht unabhängig voneinander  abrufen können.

 

Schnelligkeit bei Wartung und Weiterentwicklungen

Nutzen Sie Microservices, profitieren Sie von allem von der hohen Geschwindigkeit, wenn Sie diese warten oder weiterentwickeln. Ist bei einem monolithischen Programm eine zusätzliche Funktion notwendig, wird es teuer und aufwendig, diese zu implementieren. Das gilt auch, wenn Sie einen Fehler beheben müssen. Da alle Programmbereiche zusammenhängen, kann sich eine kleine Änderung auf die Funktionalität der gesamten Software auswirken. Microservices sind hingegen unabhängig voneinander. Wenn eine Anpassung erforderlich ist, fällt der Aufwand dafür deutlich niedriger aus. So setzen Sie Neuerungen schneller um und müssen dafür weniger investieren.

 

Skalierbarkeit schafft Flexibilität

Es kommt immer wieder vor, dass ein neuer Auftrag einmalig einen hohen Bedarf einer bestimmten Funktion mit sich bringt. Zudem treten häufig saisonale Schwankungen auf. Beispielsweise kommt es in zahlreichen Unternehmen zum Jahreswechsel zu besonders vielen Verwaltungsaufgaben. Die IT-Infrastruktur muss darauf reagieren und die notwendigen Ressourcen bereitstellen. Bei einem monolithischen Programm ist es jedoch sehr arbeitsintensiv, einen bestimmten Bereich zu erweitern. Da hier viele verschiedene Geschäftsfunktionen innerhalb eines einzigen Prozesses ablaufen, ist es sehr schwierig, die Ressourcenzuteilung zu steuern. Unabhängige Microservices sind in diesem Bereich deutlich flexibler und eignen sich daher ideal, um schnell auf Bedarfsschwankungen zu reagieren.

 

Eigenständige Funktionsweise

Erneuern Sie in Ihrem Unternehmen das verwendete Betriebssystem oder ersetzen eine gemeinsam verwendete Bibliothek, kann das Auswirkungen auf ein monolithisches Programm haben. Daher ist es notwendig, die komplette Software ausführlich zu testen und gegebenenfalls anzupassen. Microservices arbeiten jedoch unabhängig von diesen Faktoren, sodass dieser Aufwand entfällt. So setzen Sie Innovationen für Ihre Geschäftsabläufe viel einfacher um. Auch innerhalb der Organisationsstruktur des Unternehmens bietet diese Unabhängigkeit Vorteile. Anstatt alle Prozesse zentral zu steuern, ist es möglich, kleine unabhängige Entwicklerteams zu formen. Diese können unterschiedliche Techniken verwenden und auf diese Weise für jede Funktion ein optimales Verfahren auswählen.

 

Herausforderungen für Unternehmen, die Microservices umsetzen

Die vorherigen Absätze zeigen, dass Microservices für Versicherungsunternehmen viele Vorteile mit sich bringen. Doch es gibt auch eine Kehrseite der Medaille. Die Entwicklung des Systems stellt eine große Herausforderung dar. Die Architektur ist sehr komplex und auch die Einarbeitung in die Nutzung ist nicht einfach. Zudem macht diese technische Neuerung eine Überarbeitung der Prozessabläufe in allen beteiligten Betriebsbereichen notwendig. Die Änderungen, die die Implementierung von Microservices mit sich bringt, führen dazu, dass dieser Vorgang langwierig und kostspielig ist. Dennoch ist die Umstellung lohnenswert, da sie mittelfristig zu einer enormen Effizienzsteigerung führen kann.