Microservices gelten im E-Commerce-Sektor seit geraumer Zeit als neue Entwicklungsmaxime. Gerade Major-Player, wie Google oder Amazon, nutzen sie als bevorzugtes Werkzeug. Damit markieren sie eine Abkehr von der bisherigen monolithischen Systemarchitektur.

 

Monolithische Softwarearchitektur – ein Einblick

Im Softwaresektor ist ein Monolith ein System, das auf einer einzigen Anwendung basiert. Diese stellt beispielsweise für einen Online-Shop alle notwendigen Funktionen bereit. Die dabei anfallenden Datenmengen werden in einem zentralen Speicher verwaltet. Monolithen werden bevorzugt für kleine und mittelgroße Online-Shops verwendet. Hier spielen sie ihre Vorteile aus, die u.a. in einer zentralen Regulierung sowie einem einfachen Zugang für die Entwickler bestehen. Dem stehen jedoch verschiedene Nachteile gegenüber:

  • Anfälligkeit – Durch die Verwendung einer einzigen Anwendung, über die alle Prozesse laufen, kann ein technisches Versagen das komplette System zum Zusammenbruch führen.
  • Schwierige Erweiterbarkeit – Die geschlossene Systemarchitektur kann nur mit übermäßigem Aufwand modifiziert oder erweitert werden. Dies spielt dann eine Rolle, wenn der Shop wächst. Hinzu kommt, dass Änderungen in einem Teil des Systems schnell zu unvorhersehbaren Problemen mit anderen Systembestandteilen führen können. Zwar lässt sich dies durch umfangreiche Tests weitgehend ausschließen, aber der Aufwand ist dennoch beachtlich.

 

Microservices – Einheit, die auf Trennung basiert

Bei der Verwendung von Microservices werden die einzelnen Prozesse separat voneinander abgewickelt. Mit anderen Worten: Anwendungen, wie Warenpräsentation, Warenkorb und Rechnungserstellung, sind sauber voneinander getrennt. Anstatt einem „Generalisten“ kommt eine Vielzahl von Spezialisten zum Einsatz. Diese weisen einen geringen Funktionsumfang auf, was sich innerhalb des Gesamtsystems jedoch nicht störend auswirkt. In der Summe ergibt sich ein modulares System, dessen Komponenten sich die Aufgaben teilen. Daraus resultieren diese Vorteile:

  • Erhöhte Servicefreundlichkeit – Die einzelnen Module lassen sich separat bearbeiten und modifizieren.
  • Geringere Komplexität der Software – Statt eines großen Entwicklerteams, lassen sich kleinere Expertengruppen einsetzen.
  • Höhere Betriebssicherheit – Fällt ein Teil des Systems aus, beeinflusst dies nicht das große Ganze. Im besten Fall verschwindet ein Artikel kurzfristig von der Website. Die restlichen Artikel sowie der Warenkorb und die Bestellung werden davon nicht berührt. Damit entfällt gleichzeitig der immense Zeitdruck, der unvermeidbar ist, wenn das komplette System ausfällt.
  • Raum für Verbesserungen und Modifikationen – Sollen Bestandteile des Shopsystems verändert werden, muss nur das betreffende Modul bearbeitet werden. Zudem lässt sich beispielsweise eine verbesserte Warenkorbfunktion implementieren, ohne sich Gedanken um die restlichen Funktionen machen zu müssen.

 

Neue Anforderungen im E-Business

Internet und E-Business sind keine statischen Angelegenheiten. Vielmehr handelt es sich um dynamische Welten, in denen 10 Jahre ein „halbes Jahrhundert“ darstellen können. Dies zeigt sich auch in den Differenzierungsfaktoren, die heute ganz anders aussehen, als es noch vor wenigen Jahren der Fall war. Damals wurden Online-Händler nach Preispolitik und Sortiment beurteilt.

In einer Zeit, in der die Käufer es gewohnt sind, Preise und Produkte mit wenigen Mausklicks zu vergleichen, sind neue Stärken gefragt. So müssen Online-Shops ein echtes Einkaufserlebnis bieten und leicht zu bedienen sein. Die Kunden erwarten attraktive Finanzierungsmöglichkeiten, Individualität und eine Website, die nicht über Monate hinweg gleich aussieht. Hier punkten Microservices auf ganzer Linie: Sie ermöglichen schnelle Veränderungen, sind einfach in der Handhabung und bieten hohe Sicherheit im Alltag. Soll der Online-Shop erweitert werden, ist dies jederzeit und ohne großen Aufwand möglich. Denkbar wäre beispielsweise die Implementierung neuer Bezahlsysteme oder die Nutzung künstlicher Intelligenz in der Kundenberatung. Ebenso lassen sich Finanzierungspartner schnell und problemlos „andocken“. Gleiches gilt für Newsletter-Anbieter oder separate Analysesysteme.

 

Monolith vs. Microservices – Welches System ist für wen geeignet?

Im direkten Vergleich liegen (fast) alle Vorteile auf Seiten der Microservices. Es überrascht nicht, dass die Major-Player einhellig darauf setzen. Das Einsatzgebiet von Monolithen erstreckt sich entsprechend auf kleine Online-Shops. Diese profitieren gerade in der Startphase davon, ein geschlossenes System für Ihre Zwecke nutzen zu können. Leider geschieht dies auf Kosten der Individualität, Flexibilität und Leistungsfähigkeit.

 

Fakt ist, dass die Kunden bereit sind, auch bei einem kleineren Händler zu kaufen, wenn er ihnen Dinge, wie eine ansprechende Website und ein angenehmes Einkaufserlebnis, bietet. Dinge, die im E-Business nicht zwangsweise den großen Anbietern vorbehalten sein müssen. Umgekehrt erwarten die Käufer mittlerweile solche Tugenden von Ihren Händlern. Die Frage, ob es nicht besser wäre, von Anfang an auf Microservices zu setzen, ist somit berechtigt. Da sie die bessere Lösung darstellen, sollte nicht zu lange mit dem Umstieg gewartet werden.