Online auf die Dienstleistungen der öffentlichen Verwaltung zugreifen zu können, ist ausgesprochen praktisch. Die Bürger sparen auf diese Weise nicht nur viel Zeit. Darüber hinaus sind sie nicht mehr an die häufig stark eingeschränkten Öffnungszeiten der öffentlichen Ämter gebunden. Auch für Unternehmen bringt der Online-Zugang viele Vorteile mit sich. Es entfallen die entsprechenden Behördengänge, wodurch sich viel Arbeitszeit einsparen lässt. Bereits vor einigen Jahren hat die Bundesregierung das Ziel ausgegeben, dass die 100 wichtigsten Verwaltungsleistungen online verfügbar sein sollen. Des Weiteren hat der Bundestag im August 2017 das Onlinezugangsgesetz (OZG) verabschiedet. Dieses schreibt vor, dass bis Ende 2022 alle Leistungen der öffentlichen Verwaltung per Internet verfügbar sein müssen. Aufgrund dieser Entwicklung ist es an der Zeit zu überprüfen, wie weit die Umsetzung bislang fortgeschritten ist.

 

OZG: Studie untersucht die bisherige Umsetzung

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat eine Studie zu diesem Thema in Auftrag gegeben. Es wird dabei die Umsetzung des Ziels überprüft, die 100 am häufigsten genutzten Verwaltungsdienste online verfügbar zu machen. Um dieses Thema zu untersuchen, ermittelten die Ersteller zunächst, welche Verwaltungsdienstleistungen Bürger und Unternehmen besonders häufig nutzen. Bei den 100 wichtigsten Diensten überprüften sie daraufhin, ob und in welcher Form diese online zugänglich sind. Das Ergebnis ist zunächst positiv. Von den 100 überprüften Verwaltungsvorgängen lässt sich schon etwas mehr als die Hälfte über das Internet nutzen. Das bedeutet, dass ein erheblicher Teil der Zielsetzung bereits umgesetzt wurde. Dennoch ist nach wie vor viel Arbeit notwendig, um auch die übrigen Dienste online verfügbar zu machen.

 

Mehrheit der verfügbaren Dienste ist einheitlich für das ganze Bundesgebiet gestaltet

In der Studie wurde nicht nur untersucht, ob die entsprechenden Dienste online nutzbar sind. Man ermittelte auch, ob dabei die Anforderungen der Unternehmen, die sie nutzen, ausreichend umgesetzt wurden. Ein wichtiger Aspekt besteht beispielsweise darin, ob die jeweiligen Dienste bundesweit einheitlich gestaltet sind. Viele Betriebe beschränken sich bei ihrer Tätigkeit nicht ausschließlich auf ein einzelnes Bundesland, sondern sind in ganz Deutschland aktiv. Wenn sich die Angebote für einen Verwaltungsvorgang jedoch je nach Standort hinsichtlich der Nutzerführung, der Funktionslogik und des Designs der Benutzeroberfläche unterscheiden, entsteht für die Unternehmen ein erheblicher Mehraufwand. Durch die Studie wurde festgestellt, dass der größte Teil der online verfügbaren Dienste einheitlich gestaltet ist. Insgesamt ist dies bei 44 der 100 meistgenutzten Dienste der Fall.

 

 

Kein Single Point of Contact vorhanden

Viele Betriebe nehmen mehrere Online-Dienste der öffentlichen Verwaltung in Anspruch. Dabei wurde durch die Studie jedoch ein großes Problem festgestellt: Es besteht kein Single Point of Contact. Für die Unternehmen wäre es sehr hilfreich, wenn ein zentrales Portal zur Verfügung stehen würde, über das alle Dienste zugänglich sind. Das ist jedoch bislang nicht der Fall. Für die 44 bundesweit verfügbaren Dienstleistungen sind 21 verschiedene Online-Portale vorhanden. Für deren Nutzung sind insgesamt 15 Nutzerkonten erforderlich. Das erhöht den Bearbeitungsaufwand für die Unternehmen deutlich. Jedes einzelne Nutzerkonto benötigt eine zeitintensive Pflege – beispielsweise um die Berechtigungen zu vergeben und die Stammdaten zu verwalten. Daher steht der Single Point of Contact ganz oben auf der Wunschliste der Unternehmen. Doch bleibt abzuwarten, ob das OZG in diesem Bereich Verbesserungen mit sich bringt.

 

Möglichkeiten für automatische Bearbeitung bislang unzureichend

Der Umgang mit den Online-Diensten kann bei verschiedenen Unternehmen ganz unterschiedlich aussehen. Ein kleiner Ein-Mann-Handwerksbetrieb füllt die jeweiligen Formulare in der Regel direkt über den Webbrowser aus. Alternativ ist es möglich, eine von den entsprechenden Behörden bereitgestellte Software auf dem eigenen Rechner zu installieren. Das beschleunigt den Vorgang insbesondere bei Diensten, die regelmäßig in Anspruch genommen werden. Große Unternehmen haben hingegen den Anspruch, die Vorgänge zu automatisieren. Hierfür ist eine Schnittstelle Machine-to-Machine (M2M) erforderlich. Wünschenswert wäre es, dass alle öffentlichen Ämter alle drei Möglichkeiten anbieten. Doch gerade im Bereich der M2M-Schnittstellen gibt es noch erhebliche Mängel. Dieser Service ist bislang nur für 23 der 100 wichtigsten Dienste verfügbar.